Man in a checkered shirt talks on phone in home office setting with laptop and coffee.

Remote arbeiten, aber sicher: Die häufigsten Lücken im Homeoffice und unterwegs

Mobiles Arbeiten ist in den meisten Unternehmen Alltag – verbindliche Regeln dafür sind es nicht. Fünf Bereiche, in denen im Betrieb regelmäßig etwas offenbleibt, und was der Mindeststandard ist.

„Ich hänge mich beim Kunden immer ins WLAN, sonst habe ich kein Netz im Keller.“

„Die Angebote liegen auf meinem Laptop, das ist einfacher als das Laufwerk.“

„Wir schicken uns die Fotos über WhatsApp, das geht am schnellsten.“

Drei Sätze aus einem Handwerksbetrieb mit 50 Beschäftigten, zwanzig davon im Außendienst. Keiner davon ist als Regelverstoß gemeint. Alle drei beschreiben denselben Vorgang: Jemand löst ein praktisches Problem, weil der vorgesehene Weg im Moment nicht funktioniert oder gar nicht bekannt ist.

Genau daran zeigt sich, wo mobiles Arbeiten organisatorisch aufhört. Nicht dort, wo jemand nachlässig ist – sondern dort, wo nie festgelegt wurde, wie es eigentlich gehen soll.

Die Kurzfassung

  1. Mobiles Arbeiten ist die Regel, nicht die Ausnahme – trotz leicht rückläufiger Entwicklungen beim Home Office. Laut einer Bitkom-Befragung vom Mai 2025 unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten ermöglichen 58 Prozent mobiles Arbeiten. 20 Prozent haben es wieder abgeschafft, weitere 20 Prozent boten es nie an.
  2. Die Lücken entstehen in fünf Bereichen: Gerät, Netzwerk, Daten, Zugang und Support. Sie sind unabhängig voneinander – wer nur eine davon absichert, hat die anderen vier offen.
  3. Private Tools sind ein Symptom. Wo Beschäftigte auf eigene Wege ausweichen, fehlt meist ein brauchbarer vorgesehener Weg. Verbote ohne Alternative verschieben das Problem nur aus dem Blickfeld.

Fünf Lücken, die im Alltag entstehen

1. Das Gerät

Die häufigste Lücke ist gleichzeitig die unsichtbarste: Niemand weiß, welche Geräte überhaupt auf Unternehmensdaten zugreifen. Das private Tablet, mit dem abends noch Mails gelesen werden, das Zweithandy im Außendienst, der alte Laptop aus dem Bestand, der nie eingezogen wurde.

Mindeststandard: Es existiert eine Liste, welche Geräte dienstlich genutzt werden. Sie sind zentral verwaltet, verschlüsselt, mit Bildschirmsperre versehen und lassen sich aus der Ferne löschen. Updates laufen automatisch – wobei der BSI-Lagebericht 2025 für den Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 einen Anstieg der täglich neu entdeckten Schwachstellen um 24 Prozent ausweist. Ein Gerät, das nur beim Besuch im Büro Updates zieht, hängt dauerhaft hinterher.

2. Das Netzwerk

Hier steckt das verbreitetste Missverständnis. Das Heim-WLAN einer Mitarbeiterin ist meist besser geschützt als sein Ruf. Das Gäste-WLAN beim Kunden und das offene Netz im Hotel sind es nicht.

Der Mindeststandard ist deshalb nicht, bestimmte Netze zu verbieten, sondern die Verbindung unabhängig vom Netz abzusichern: verschlüsselter Zugriff auf interne Systeme über einen gesicherten Tunnel, aktuelle Verschlüsselung bei der Übertragung, kein Zugriff auf interne Dienste ohne diesen Weg. Dann ist es gleichgültig, in wessen WLAN sich jemand befindet.

Was zusätzlich gehört: ein mobiler Datentarif, der ausreicht. Der Satz „sonst habe ich kein Netz im Keller“ ist ein Beschaffungsthema, kein Sicherheitsthema – aber er erzeugt eines.

3. Die Daten

Der Satz „das liegt auf meinem Laptop“ ist im mobilen Arbeiten der häufigste. Er bedeutet: Diese Datei ist nicht gesichert, nicht für Kollegen erreichbar und beim Verlust des Geräts weg.

Mindeststandard: Geschäftliche Daten liegen in der vorgesehenen Ablage, nicht lokal. Wo offline gearbeitet werden muss – auf der Baustelle, im Funkloch –, geschieht das über eine Synchronisierung, die automatisch zurückschreibt. Der Unterschied ist entscheidend: Synchronisierte Daten sind gesichert, lokal abgelegte nicht.

4. Der Zugang

Ein Passwort allein reicht für einen Zugang, der von überall erreichbar ist, nicht aus. Sobald Dienste aus dem Internet erreichbar sind – und das sind sie beim mobilen Arbeiten zwangsläufig –, gehört ein zweiter Faktor dazu, ausnahmslos und für alle.

Dazu kommt die Frage, die selten gestellt wird: Was passiert, wenn ein Gerät verloren geht? Der Mindeststandard ist ein Ablauf, den jede Person kennt: sofort melden, Gerät aus der Ferne sperren und löschen, aktive Sitzungen beenden, Zugangsdaten zurücksetzen. Ohne diesen Ablauf vergehen zwischen Verlust und Reaktion typischerweise Stunden – und die Meldung kommt oft gar nicht, weil sie unangenehm ist.

5. Der Support

Die Lücke, an die niemand denkt: Wie bekommt jemand Hilfe, der nicht im Büro ist? Wenn das Gerät nicht startet oder die Anmeldung scheitert, funktioniert der kurze Weg über den Kollegen nicht mehr.

Mindeststandard: eine Nummer, die von außen erreichbar ist, eine Fernwartungsmöglichkeit, die auch ohne Unternehmensnetz funktioniert, und eine Regelung, was bei einem Ausfall vor Ort beim Kunden passiert. Ohne das entsteht genau die Improvisation, aus der später eine dauerhafte Gewohnheit wird.

Dazu gehört ein Punkt, der nichts kostet und trotzdem selten geregelt ist: ein Ersatzgerät. Wer im Außendienst mit einem defekten Laptop dasteht, braucht nicht innerhalb von zwei Tagen ein neues, sondern noch am selben Vormittag ein funktionierendes. Ein einziges vorkonfiguriertes Reservegerät im Betrieb löst diesen Fall – vorausgesetzt, jemand weiß, wo es liegt und wer es freigibt.

Aus der Praxis

„Bei Bestandsaufnahmen im Außendienst finden wir fast immer Geräte, die niemand auf der Liste hatte – meist private, die irgendwann einmal für eine dringende Sache eingebunden wurden. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil es gerade schnell gehen musste.“

Marvin Osterhof, Geschäftsführer novotec GmbH

Private Tools sind ein Symptom, keine Ursache

WhatsApp für Baustellenfotos, der private Cloud-Speicher für eine große Datei, das eigene Mailkonto für den schnellen Versand: Solche Umwege entstehen nicht aus Gleichgültigkeit. Sie entstehen, wenn der vorgesehene Weg langsamer, umständlicher oder unbekannt ist.

Deshalb führt ein Verbot ohne Alternative regelmäßig zum schlechtesten Ergebnis: Der Umweg bleibt, wird aber nicht mehr erwähnt. Damit verliert das Unternehmen den Überblick, statt ihn zu gewinnen.

Wirksam ist die umgekehrte Reihenfolge. Zuerst fragen, welches praktische Problem der Umweg löst. Dann prüfen, ob der vorgesehene Weg dieses Problem überhaupt löst – oft tut er es nicht oder nur mit mehreren zusätzlichen Schritten. Erst danach eine Regel formulieren, die sagt, welcher Weg gilt, und die den Fall tatsächlich abdeckt.

Für Fotos von der Baustelle heißt das konkret: eine App, die das Bild direkt in den Projektordner legt. Nicht: das Verbot, Fotos zu verschicken.

Ein Nebeneffekt, der oft übersehen wird: Private Messenger und Mailkonten führen dazu, dass geschäftliche Kommunikation im Unternehmen nicht mehr vollständig vorliegt. Verlässt die betreffende Person den Betrieb, fehlt der Vorgang – und niemand weiß, dass er fehlt. Bei Reklamationen, Gewährleistungsfragen oder Abnahmeprotokollen wird das zum handfesten Problem, lange bevor es ein Sicherheitsthema wird.

Deshalb lohnt es sich, die Frage nicht als Sicherheitsregel zu stellen, sondern als betriebliche: Wo muss dieser Vorgang auffindbar sein, wenn die Kollegin im Urlaub ist?

Der Soll-Ist-Abgleich

Die folgende Gegenüberstellung lässt sich in einer halben Stunde durchgehen – am besten gemeinsam mit jemandem, der tatsächlich mobil arbeitet, nicht allein am Schreibtisch.

Bereich

Mindeststandard

Häufiger Ist-Zustand

Gerät

Alle dienstlich genutzten Geräte erfasst, verwaltet, verschlüsselt, fernlöschbar

Liste unvollständig, private Geräte im Zugriff

Updates

Laufen automatisch, unabhängig vom Standort

Werden beim Bürobesuch nachgeholt

Netzwerk

Zugriff auf interne Systeme nur über gesicherten Tunnel

Direkter Zugriff möglich, Tunnel optional

Daten

In der vorgesehenen Ablage, offline nur synchronisiert

Lokale Ablagen, nicht gesichert

Zugang

Zweiter Faktor für alle extern erreichbaren Dienste

Für einzelne Dienste, nicht für alle

Geräteverlust

Bekannter Ablauf, Fernlöschung erprobt

Nicht geregelt, Meldung erfolgt spät

Support

Von außen erreichbar, Fernwartung ohne Firmennetz

Nur über Kollegen oder Bürobesuch

Regeln

Schriftlich, bekannt, mit Alternative für den Praxisfall

Mündlich, ungleich bekannt, ohne Alternative

Das BSI stellt für diesen Zweck eine Checkliste zur Sicherheit im Home-Office bereit, die sich ausdrücklich an kleine und mittelständische Unternehmen richtet und auf kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zielt. Sie eignet sich gut als Ergänzung, ersetzt aber nicht das Gespräch mit den Beschäftigten, die tatsächlich unterwegs sind.

Wie novotec das absichert

Für Unternehmen mit Außendienst oder verteilten Arbeitsplätzen setzen wir als Hamburger IT-Systemhaus an denselben fünf Punkten an.

Gerät und Netz: Wir richten hochsichere, verschlüsselte VPN-Tunnel ein, über die Homeoffice-Arbeitsplätze, Niederlassungen und mobile Geräte auf interne Systeme zugreifen – unabhängig davon, in welchem Netz sich jemand gerade befindet. Die Geräte selbst werden zentral verwaltet, Patches laufen automatisiert außerhalb der Arbeitszeit.

Zugang und Daten: Wir setzen Zwei- und Mehr-Faktor-Authentifizierung durch und verschlüsseln Daten sowohl bei der Übertragung als auch im Ruhezustand. Für die Ablage klären wir mit den Fachbereichen, wie offline gearbeitet wird, damit die praktische Lösung und die sichere dieselbe ist.

Support: Über unser novo365 Remote Management greifen wir mit Erlaubnis direkt auf den Desktop zu – auch bei Geräten außerhalb des Firmennetzes und auch bei Systemen, die ursprünglich nicht von uns eingerichtet wurden. Für Betriebe mit mobiler Zeiterfassung binden wir diese gleich mit ein.

Fazit

Mobiles Arbeiten scheitert selten an der Technik. Es scheitert daran, dass niemand festgelegt hat, wie es gehen soll.

Die fünf Bereiche – Gerät, Netzwerk, Daten, Zugang, Support – lassen sich unabhängig voneinander schließen, und keiner davon erfordert ein großes Projekt. Was sie erfordern, ist eine Entscheidung je Bereich und ein Gespräch mit denen, die tatsächlich unterwegs arbeiten.

Der Maßstab dafür ist einfach: Eine Regel taugt, wenn der sichere Weg auch der bequemere ist. Solange das nicht der Fall ist, gewinnt im Alltag der Umweg – und zwar unabhängig davon, was in der Richtlinie steht.

FAQ

Meist weniger, als sein Ruf vermuten lässt. Deutlich kritischer sind Gäste-WLAN beim Kunden, offene Hotelnetze und Netze in Zügen. Entscheidend ist ohnehin nicht das Netz, sondern ob die Verbindung unabhängig davon abgesichert ist: Wenn interne Systeme nur über einen verschlüsselten Tunnel erreichbar sind, spielt es keine Rolle, in wessen Netz sich jemand befindet.

Das ist eine Entscheidung des Unternehmens, keine technische Frage. Wichtig ist, dass sie getroffen und dokumentiert wird. Wird private Nutzung erlaubt, gehören die Geräte in die zentrale Verwaltung, in die Geräteliste und unter dieselben Mindeststandards wie dienstliche: Verschlüsselung, Bildschirmsperre, automatische Updates, Möglichkeit zur Fernlöschung.

Sofort melden, Gerät aus der Ferne sperren und löschen, aktive Sitzungen beenden, Zugangsdaten zurücksetzen. Der Ablauf sollte jeder Person bekannt sein und eine erreichbare Meldestelle haben – auch abends und am Wochenende. Entscheidend ist die Zeit bis zur Meldung, und die hängt davon ab, wie unangenehm sie empfunden wird.

Weil Dienste, die von überall erreichbar sind, auch von überall angegriffen werden können. Ein gestohlenes oder erratenes Passwort genügt dann für den vollen Zugriff. Ein zweiter Faktor unterbricht diese Kette – und zwar ausnahmslos für alle extern erreichbaren Dienste, nicht nur für einzelne.

Zuerst die Frage stellen, welches praktische Problem der Umweg löst, und ob der vorgesehene Weg dieses Problem überhaupt löst. Ein Verbot ohne brauchbare Alternative führt dazu, dass der Umweg bleibt, aber nicht mehr erwähnt wird. Nebenbei entsteht ein betriebliches Problem: Geschäftliche Vorgänge liegen dann nicht mehr vollständig im Unternehmen vor.

Acht Punkte in fünf Bereichen: erfasste und zentral verwaltete Geräte, automatische Updates unabhängig vom Standort, Zugriff auf interne Systeme nur über einen gesicherten Tunnel, Daten in der vorgesehenen Ablage statt lokal, zweiter Faktor für alle externen Dienste, ein bekannter Ablauf bei Geräteverlust, von außen erreichbarer Support samt Ersatzgerät und schriftliche Regeln mit einer Alternative für den Praxisfall.

Laut einer Bitkom-Befragung vom Mai 2025 unter 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten ermöglichen 58 Prozent mobiles Arbeiten. 20 Prozent haben es wieder abgeschafft, weitere 20 Prozent boten es nie an. Bei größeren Unternehmen liegt der Anteil höher – 71 Prozent bei 100 bis 499 Beschäftigten.

Ja. Das BSI stellt eine Checkliste zur Sicherheit im Home-Office bereit, die sich ausdrücklich an kleine und mittelständische Unternehmen richtet und auf kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zielt. Sie ersetzt aber nicht das Gespräch mit den Beschäftigten, die tatsächlich unterwegs arbeiten – dort zeigt sich, welche Regel im Alltag trägt.

Sie möchten wissen, wo bei Ihnen im mobilen Arbeiten etwas offen ist? Sprechen Sie mit novotec über eine Bestandsaufnahme Ihrer Endgeräte, Zugänge und Verbindungen.

Marvin Osterhof

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